Robert Häusser

Gepostet am 8. Mai 2012 in Fotografen | Keine Kommentare

Robert Häusser, 1924 in Stuttgart geboren, gilt als einer der führenden zeitgenössischen Fotografen aus Deutschland. Seine ersten fotografischen Experimente machte er als Kind mit einer „Camera Obscura“, einer Lochkamera. Im Jahr 1931 wird bereits eine erste Ausstellung mit Bildern des 7 Jährigen organisiert. Mit 14 Jahren bekam er den ersten „echten“ Fotoapparat geschenkt, mit 16 eine Mittelformat-Spiegelreflexkamera. Mit dieser entstanden seine „Frühen Bilder“.

Im Jahr 1941 wir Robert Häusser wird wegen seines Vaters, der im Widerstand zu den Nationalsozialisten arbeitet und wegen Konspiration in ein KZ gerät – in der Schule schikaniert und verläßt mit der Mittleren Reife die Schule.

Es folgten ein einjähriges Volontariat als Pressefotograf und eine Fotografenlehre sowie ein Besuch der Graphischen Fachschule Stuttgart.

Im Jahr 1942 – er war gerade 18 Jahre alt – wurde Häusser zum Militär eingezogen und nahm Zweiten Weltkrieg teil. 1964 kehrte er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück und heiratete. Er und seine Frau Elfriede zogen zu seinen Eltern auf deren Bauernhof in die Mark Brandenburg, sie bekamen eine Tochter. Neben der landwirtschaftlichen Arbeit wandte er sich wieder intensiv der Fotografie zu. In dieser Phase entstehen Bilder aus der bäuerlichen Welt und von Natur- und Baudenkmälern.

Ab 1949 absolvierte er ein Studium an der Weimarer „Schule für angewandte Kunst“. Er setzt sich intensiv mit der Architekturfotografie von Prof. Walter Hege auseinander. Seine ersten Fotografie-Ausstellungen fanden ab 1950 statt, beispielsweise bei der Premiere der Photokina, in Köln. Robert Häusser wurde ins Präsidium und die Jury der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner aufgenommen, die heute Deutsche Fotografie Akademie heißt. Auch in Weltdeutschland wurden seine Fotografien veröffentlicht und mehrfach preisgekrönt.

Als Robert Häusser sich weigerte, Mitglied des Sozialistischen Künstlerbundes zu werden, folgten Repressalien für ihn und seine Familie. Im Jahr 1952 flohen sie über Berlin nach Westdeutschland und landeten in Mannheim, wo Häusser zunächst mit fotografischen Aufträgen Geld verdiente. Fünf Jahre später richtete er in Mannheim sein eigenes Fotostudio ein. Er gab Bildbände über Städte und Landschaften heraus und übernahm Aufträge für Künstler. Als Architektur- und Industriefotograf war er in der ganzen Welt unterwegs. In den sechziger Jahren übernahm er Fotoreisen für Zeitschriften, gab weitere Bücher heraus und betätigte sich als Porträtfotograf für bekannte Persönlichkeiten.

Auch den Bau der Berliner Mauer fotografierte Häusser auf beeindruckende Weise. Dazu reiste er in der ersten Zeit des Mauerbaus eigens nach Berlin West. Es war für ihn zugleich eine Reise in die Vergangenheit und eine Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte. Seine Bilder zeigen Barrikaden, zugemauerte Eingänge, Zaungitter, Absperrungen und Demarkationslinien, aber auch das Brandenburger Tor, Grenzpolizisten, die das Umfeld observieren oder kleines Kinderbettgestell, das im Stacheldraht gefangen zu sein scheint.

Da ihm kaum mehr Zeit für künstlerische Aufnahmen blieb, beschloss er im Jahr 1972, Häusser war 48 Jahre alt, keine weiteren Auftragsarbeiten anzunehmen und nur noch seinen eigenen fotografischen Interessen zu folgen.

1995 erhielt er den Hasselblad-Preis – den „Nobelpreis der Fotografie“. Sein ganzes Leben lang hat er sich immer auch in Fotografie- und Kunstgremien engagiert. Heute, mit 88 Jahren, lebt er abwechselnd in Mannheim und auf Ibiza.

Seit 1959 wurden seine Fotografien in es mehr als 120 Einzelausstellungen in Museen und Galerien des In- und Auslandes gezeigt.

Schon seine ersten, mit einer Kodak Retinette aufgenommenen Personenaufnahmen werden seinen Werk zugeordnet. Seine künstlerische Fotografie trägt einen unverwechselbaren, individuellen „Fingerabdruck“. Wegen seiner Vorliebe für kontrastreiche Bilder spezialisierte er sich ganz auf die Schwarz-Weiß-Fotografie. Seine Aufnahmen sind geprägt von klaren Formen, starken Kontrasten und einer überlegten Komposition. Sein Ziel war es immer, das Wesen des Abgebildeten hervorzuheben. Während seine frühen Fotografien aus der Nazi- und Kriegszeit eher düster wirken, sind die Aufnahmen aus den frühen fünfziger Jahren hell und licht. Beim Blick auf sein Gesamtwerk fällt jedoch auf, dass viele Bilder von Melancholie geprägt sind. Berühmt sind unter anderem seine Aufnahmen von modernen Kirchen.

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