Tierfotografie

Gepostet am 13. November 2012 in Fotoschule, Natur | Keine Kommentare

In der Tierfotografie werden lebende Tiere, bevorzugt in ihrem natürlichen Lebensraum dargestellt. Aufnahmen in Zoos oder Aquarien Zählen im weitesten Sinne zur Tierfotografie.

Tierfoto WölfeDabei bieten sich einige Herausforderungen für den Fotografen. Erstens halten Tiere nicht still wie es z.B. ein menschliches Modell tut. Bei Tieren, auch wenn sie still sitzen, ist immer mit ruckartigen Bewegungen zu rechnen. Dies trifft um so mehr zu, wenn sie sich beobachtet fühlen und die Geräusche hören, die entstehen wenn man die Kamera hebt oder sie eben diese Bewegungen des Fotografen sehen.
Zweitens verstecken sich Tiere gerne im Schatten. Auch die Ausleutung stellt also einige Anforderungen an den Fotografen.

Die richtige Ausrüstung für Tierfotografen

Eine Kamera mit gutem Autofocus, die schnelle Bildreihen produzieren kann ist für die Tierfotografie geeignet. Doch auch bei dieser Art der Fotografie sind die verwendeten Objektive von größter Wichtigkeit.
Im allgemeinen emfiehlt sich ein lichtstarkes Zoom mit einem Brennweitenbereich von 80 bis 200 mm. Feste Brennweiten sind im Allgemeinen zwar besonders Lichtstark, jedoch hat man bei Tieren in freier Wildbahn kaum die möglichkeit die Entfernung durch eigenes Vor- oder Zurücktreten zu variieren.
Neben dem „kurzen“ Zoom kann auch ein Zoomobjektiv mit einer Brennweite bis 300 mm oder gar 400 mm sinnvoll sein. Dies sind die Distanzen, die in weitläufigen Freigehegen oder in freier Wildbahn üblich sind.
Allerdings sind diese langen Objektive meist nicht mehr so lichtstark, sie sind häufig nur bei schönem Wetter einsetzbar. Ein weiteres Problem besteht in der Stabilität. Mit einem 300 mm aus freier Hand zu fotografieren bedarf einiges an Übung und vor allem einer ruhigen Hand.

Ich benutze eine stabilisierende Handschlaufe an der Kamera. Diese hilft zwar nicht gegen das verwackeln, aber ich habe einen psychologischen Effekt und zusätzlich immer automatisch die gewohnte Handhaltung. Mit der anderen Hand stabilisiere ich das Objektiv. Wichtig ist auch ein sicherer Stand, wenn möglich lehne ich mich leicht an oder stütze mich auf. Beim Knien kann ich auch den Ellenbogen auf das Bein stützen. Bei der Aufnahme habe ich mir angewöhnt gleichmäßig auszuatmen.

Es ist also durchaus möglich auch mit langen Brennweiten aus der Hand zu fotografieren. Das hängt aber von sehr vielen Faktoren ab. Neben den unterschiedlichen individuellen Fähigkeiten auch die Belichtungszeit kombiniert mit der ISO-Einstellung und dem Licht der Umgebung und nicht zu vergessen das Gewicht von Kamera und Objektiv. In der Wild-Life Tierfotografie, wenn es mal schnell gehen muß, habe ich die noch recht junge Micro Four Thirds Kamera/Objektiv Kombination zu schätzen gelernt. Insbesondere die Objektive sind hier um einiges kleiner und leichter.

Gut dran ist jedoch, wer ein Einbeistativ montiert hat. Sie stabilisieren zusätzlich und können in beschränktem Maße auch mit der Bewegung des Tieres mitgezogen werden. Bei größeren Distanzen und wenn die Tiere sich nicht bewegen kann auch ein Dreibeinstativ zum Einsatz kommen. Bewährt hat sich ausserdem der „Bohnensack“. Meist gefertigt aus verottungsfesten Kunststoffgranulat werden diese „Stative“ auch als Beanbag oder Bohnen Stativ bezeichnet und halten auch auf unebenem Untergrund. Man kann sie zum Winkel der Kamera passend formen und auf Ästen, Mauern oder eben dem Boden legen, um dann die Kamera darauf zu platzieren.

Belichtungszeiten in der Tierfotografie

Je kürzer die Belichtungs- bzw. Verschlusszeit ist, desto geringer ist also die Verwackelungsgefahr. Das gleiche gilt auch bei Tieren in Bewegung. Diese Bewegung möchte man in der Regel „einfrieren“. Bewegungsunschärfen können dem Bild zwar einen besonderen Reiz geben, aber meist möchte man eher die Details eines Tieres sehen.

Tierfoto: NacktschneckeUm Bewegungsunschärfen zu vermeiden und Bewegungen einzufrieren, werden in der Fotografie relativ kurze Belichtungszeiten benötigt. Die Länge ist abhängig davon, wie schnell sich das Tier bewegt. Eine Schnecke und ein jagender Löwe stellen hier eindeutig andere Anforderungen.

Je kürzer, desto so besser. Bei Tieren versuche ich eine mindest Verschlusszeit von 1/500 nicht zu unterschreiten. Immer jedoch ist eine solche Einstellung ein Kompromiss und ein Patentrezept gibt es nicht. Wenn man in dunklen Wälder Fotografiert, und dazu noch ein (lichtschwächeres) Telezoom benutzt, kann man zwar mit den ISO Werten regulieren, doch auch hier ist irgendwann Schluss – man möchte ja kein Foto mit hohem Rauschen.

Vorher üben

SquirrelWie so oft bekommt man ein das beste Gefühl durch ausprobieren. Bevor man sich an seltene Tiere wagt, sollte man etwas üben. Das kann man hervorragend in Zoos tun. Doch Achtung: auch hier – wie generell in der Tierfotografie gilt: Nicht mit Blitz fotografieren. Sofern Sie einen installierten Blitz haben, gewöhnen Sie sich bitte unbedingt an vor dem ersten Foto zu prüfen, ob dieser auch deaktiviert ist. Fotogrfieren sie zuerst im eigenen Garten – Vögel oder Eichhörnchen sind hier ein gutes Motiv. Experimentieren Sie etwas. Versuchen Sie einem Tier „in die Augen“ zu fotografieren, so dass nur ein Gesichtsausschnitt aufgenommen wird oder versuchen Sie das Tier im „Goldenen Schnitt“ zu platzieren. Lernen Sie die Wirkung ihrer Experimente auf den späteren Betrachter kennen. All dies wird Ihnen „in freier Wildbahn“ helfen, denn dort werden Sie nur wenige Sekunden für ihre Entscheidungen zur Verfügung haben.

Ortskenntnisse sind hilfreich

Ortskenntnis ist hilfreich, um Tiere aufspüren zu können. Als Fotograf sollte man sich vorbereiten. Dazu gehört es vorher zu recherchieren wo die Brut- oder Nistplätze von Vögeln sind und wo besonders häufig Tierbeobachtungen gemacht werden. Vor Ort fragt man dann am besten nochmal bei Einheimischen nach – hier habe ich manchen wertvollen Tipp bekommen.

Kraniche bei LinumAuch die Jahreszeiten spielen natürlich eine Rolle. So besuchen viele Zugvögel nur zweimal im Jahr – im Frühjahr und im Herbst – deutsche Gebiete. Wenn man aber weiß, zu welcher Zeit zum Beispiel Kraniche unterwegs sind und wo ihre Sammelplätze sind, kann man sie in Massen beobachten und fotografieren.

Im Oberen Rhinluch bei Linum (Brandenburg) gibt es einen solchen Sammelplatz von Kranichen. Die Tiere machen Mitte Oktober bis November Rast auf ihren Flug in ihre Winterquartiere in Südfrankreich und Spanien. Sie kommen meist aus Skandinavien und Nordrussland. Ungefähr 150Tsd. dieser Vögel sind in dieser Zeit in Brandenburg unterwegs.

Achten Sie darauf, genügend Abstand zu den Tieren zu halten. Jede Tierart hat eine unterschiedliche Fluchtdistanz – bei den erwähnten Kranichen sind dies ca. 300 Meter. Erweisen Sie den Tieren den Respekt, sie nicht unnötig zu stören. Als Tierfotograf wollen Sie die Schönheit der Natur darstellen. Wenn Sie mit ihrer Darstellung bei den Betrachtern das Bewußtsein für ihre Umwelt schärfen, rechtfertigt dies bis an eine Grenze vorzustoßen. Da sie jedoch auch eine Vorbildfunktion haben, sollten zusätzlich darauf achten diese Grenze nicht zu überschreiten um die Natur störungsfrei zu erhalten.

Nicht zuletzt gehört zur Tierfotografie stets ein gehöriges Stück Glück

In einem Wildpark habe ich mich gerade mit den Tierpflegern unterhalten. Plätzlich hörte man das Röhren von Rotwild und das Krachen von Geweihen. Der Wildhüter nahm mich in das Gehege mit und wir näherten uns vorsichtig dem Kampfplatz.

In einer Bodensenke liegend konnten wir zwei Rothirsche dabei beobachten, wie sie frontal aufeinander trafen und die beiden sich verhakten. Sie waren etwa gleich stark aber dennoch bewegten Sie sich noch etwas auf uns zu. So dauert dieser Kampf gute 10 Minuten, bis schließlich doch einer der beiden aufgab und flüchtete. Der Sprengruf des Siegers ertönte und ein Schauspiel das man nun wirklich nicht jeden Tag sieht war vorüber.

Tierfotografie: BieneZur richtigen Zeit am richtigen Ort – das kann man nur bedingt beeinflussen. Lassen Sie sich nicht entmutigen.
Nur ein sehr kleine Prozentsatz von Tierfotos zeigt spektakuäre, nicht alltägliche Szenen.

Die gute Nachricht: Tierfotos wirken auch bei häufig vorkommenden Tieren – wie immer in der Fotografie müssen Sie nur die richtige Szene wählen. Bis ihnen also ein aktionreicher Schuß gelingt, probieren Sie es zum Beispiel mit Enten oder Schwänen, die eine Spiegelung auf der Wasseroberfläche werfen, einer Biene im Landeanflug (gut um sehr kurze Verschlusszeiten zu testen) oder Kühen, bei denen Sie die Spiegelung im Auge auffangen. Die Möglichkeiten in der Tierfotografie sind unbegrenzt.

Weiterlesen: Vögel im Flug fotografieren

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