Wandern – ultraleicht gemacht

Gepostet am 8. Dezember 2013 in Outdoor | Keine Kommentare

Denkt man ans Wandern, dann fallen einem sofort schwere Bergstiefel und große Rucksäcke ein, an denen außen meist noch zusätzliche Ausrüstung festgezurrt ist. Schmerzende Schultern, schweres Atmen und hart erkämpfte Kilometer – das gehört einfach dazu, oder? Falsch gedacht. Ultralight Trekking, die Kunst des Ultraleichtwanderns, stellt den Ausrüstungswahn von Camping-Espressomaschinen und kiloschweren Stiefeln auf den Kopf und verspricht ein körperfreundlicheres Wandergefühl, bei dem man mit weniger Anstrengung mehr Kilometer schafft.

Ultralight Trekking

 

Ultraleichtwandern, Ultralight Trekking, UL-Trekking, Superultraleicht Trekking – wie auch immer man es nennt – Weniger ist mehr!

 

Ray Jardine ist der amerikanische Guru des Ultraleichtwanderns, dessen Erfahrung von über 28.000km zu Fuß auf Traumstrecken wie dem Appalchian Trail und Pacific Crest Trail die Philosophie des Gewichtreduzierens mitbegründet hat. Es klingt logisch: Je weniger man zu tragen hat, desto mehr Kraft verbleibt. Allerdings ist die Outdoor-Industrie trotz aller Multifunktionsausrüstung darauf bedacht, Wanderern besser mehr als weniger zu verkaufen.

Die ersten Leichtgewicht-Wanderer gab es freilich bereits früher. In den 80ern traf ich in der Serra da Estrela (Portugal) einen EWanderer, der in Sandalen durch den Naturpark lief. Beim Buch, das er unterwegs las wurde jede gelesene Seite möglichst sofort ausgerissen und entsorgt und er hatte damals bereits seine Zahnbürste gekürzt (sic!).

Vor allem auf den amerikanischen Wildnistrails tragen die meisten Wanderer vergleichsweise kleine Rucksäcke und scheinen sich an der Last, die sie tragen nicht zu stören. Hier hat man entdeckt, dass gerade beim Trekking weniger oft mehr ist. In Deutschland hat sich dieser Trend noch keum durchgesetzt. Die Werbung suggeriert uns, das wir gerade in der Wildniss (wo es diese in Deutschland auch immer gibt) auf jede Eventualität vorbereitet sein sollten.

Abgesägte Zahnbürsten, abgetrennte Rucksackgurte – das alles mag extrem klingen und stellt auch nur die „Spitze des Eisberges“ – sozusagen die Jagt nach dem letzten Gramm – dar. Um ultraleicht unterwegs zu sein, sollte man bei seiner Ausrüstung auf verschiedene Dinge achten. Gerade die ersten Kilos sind schnell reduziert.
Für den Anfang braucht man nicht einmal spezielle, leichte Produkte kaufen (oder diese selbst basteln), man lässt einfach nur Sachen zu Hause – Das kostet gar nichts ausser vielleicht ein wenig Überwindung.

– Keine unnützen Luxusartikel oder Extras mitnehmen. Statt für alle Eventualitäten mit verschiedenen Gegenständen gerüstet zu sein, besser nur das mitnehmen, das wirklich lebensnotwendig und vielseitig verwendbar ist. Die Werbung verleitet zu der Annahme, dass Camping und Wandern nur mit hochspezialisierten Jacken, Zelten und Isomatten überlebt werden kann. Beim Ultraleichwandern wird auf mehr Köpfchen gesetzt: Ein geschickt aufgespanntes Tarp ist nicht schlechter als ein Zelt, wiegt aber nur einen Bruchteil davon. Und braucht man wirklich drei Pullis?
– Nur die leichteste Variante von Ausrüstungsgegenständen einpacken. Zehn Gramm hier und da addieren sich erstaunlich schnell zu einem Kilo zusammen. Es lohnt sich, jedes Stück abzuwiegen und genau zu überlegen, ob es wirklich dabei sein muss oder wie man es mit etwas leichterem ersetzen kann. Viel Material ist heutzutage bereits leichter und gleichzeitig strapazierfähiger als früher.
– Schwere Stiefel durch leichte Wanderschuhe ersetzen. In der Regel sind hier Trailrunnung-Schuhe eine gute Wahl. Es gibt Menschen, die sogar barfuß mit Rucksack im Gebirge wandern gehen – je weniger Gepäck auf dem Rücken sitzt und je besser die Beine trainiert sind, desto geringer ist die Gefahr des Umknickens auch bei leichtem Schuhwerk.

Einfach mal ausprobieren

Ein voller Rucksack gilt als ultraleicht, wenn er unter 10kg wiegt. Mit noch geringerem Gepäck hat Ray Jardine den knapp 4.300km langen Pacific Crest Trail in einem Sommer erwandert – es ist also durchaus möglich. Um herauszufinden, wo die persönlichen Grenzen sind, empfehlen sich Wochenendtrips bei allen Wetterlagen mit immer leichterer Ausrüstung. Jardine stellt seine Ausrüstung selber her, um sowohl Kosten als auch Gewicht zu sparen. Wer nicht gleich so weit gehen will, findet auch im Outdoorladen eine gute Auswahl an federleichten und haltbaren Rucksäcken, Kleidung und sonstigem Bedarf, womit sich die nächste Wanderung in einen größeren Genuss als je zuvor verwandeln lässt.

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